Kann Stress unsere Faszien beeinflussen?
Mit dieser Frage habe ich mich in den vergangenen Tagen in MĂŒnchen beschĂ€ftigt.
Im Krankenhaus fĂŒr Naturheilweisen nahm ich an einem Fachvortrag von Prof. Dr. Robert Schleip teil, einem der prĂ€genden Köpfe der modernen Faszienforschung. Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungsergebnisse rund um Faszien, Stress, Nervensystem und Gesundheit.
Besonders spannend fand ich eine aktuelle Studie von Brandl, Engel, Egner, Schleip und Schubert (2024).
Die Forschenden untersuchten ZusammenhĂ€nge zwischen alltĂ€glichen Stressereignissen, körperlicher Belastung, HerzratenvariabilitĂ€t und der Verformbarkeit der Thorakolumbalfaszie â einer wichtigen Faszienstruktur im Bereich des unteren RĂŒckens.
Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass sich alltÀglicher Stress nicht nur auf unser subjektives Erleben auswirkt, sondern auch mit messbaren VerÀnderungen körperlicher Gewebeeigenschaften in Zusammenhang stehen kann.
Kurz gesagt:
- Stress bleibt nicht nur im Kopf.
- Das Nervensystem reagiert.
- Der Körper reagiert.
- Und offenbar auch das Bindegewebe.
FĂŒr mich bestĂ€tigen diese Ergebnisse einmal mehr, wie eng körperliche, psychische und soziale Faktoren miteinander verbunden sind.
Das Tensegrity-Modell: Warum alles miteinander zusammenhÀngt
WĂ€hrend des Kongresses begegnete mir immer wieder das sogenannte Tensegrity-Modell.
Die Grundidee ist einfach:
Ein System bleibt stabil, weil sich Spannung und Entspannung gegenseitig ausgleichen.
Dieses Modell wird in der modernen Faszienforschung genutzt, um zu beschreiben, wie KrÀfte im Körper verteilt werden und wie verschiedene Strukturen miteinander verbunden sind.
Mich erinnert dieser Gedanke jedoch nicht nur an den menschlichen Körper.
Er erinnert mich auch an unsere Lebenswelten.
An Familien.
An Freundschaften.
An Unternehmen.
An Vereine.
Ăberall dort entstehen StabilitĂ€t, Entwicklung und AnpassungsfĂ€higkeit nicht durch starre Perfektion, sondern durch das Zusammenspiel vieler Faktoren.
Gesundheit entsteht im Zusammenspiel
Nach dem Kongress verbrachte ich einige Tage mit einem Teil meiner Familie in MĂŒnchen.
Gemeinsame Mahlzeiten, GesprĂ€che, Erinnerungen und Zeit fĂŒreinander machten fĂŒr mich noch einmal sehr deutlich, was die Salutogenese bereits seit Jahrzehnten beschreibt:
Gesundheit entsteht nicht isoliert.
Gesundheit entsteht im Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Ressourcen.
Genau deshalb betrachte ich Gesundheitsförderung, PrÀvention und Betriebliches Gesundheitsmanagement stets aus einer biopsychosozialen Perspektive.
Die moderne Faszienforschung liefert zunehmend wissenschaftliche Hinweise darauf, wie eng diese Bereiche tatsÀchlich miteinander verbunden sind.
FĂŒr mich war die Reise nach MĂŒnchen deshalb weit mehr als eine Fortbildung.
Sie war eine BestĂ€tigung dafĂŒr, dass Gesundheit nicht in einzelnen Organen, einzelnen MaĂnahmen oder einzelnen Lebensbereichen entsteht.
Gesundheit entsteht dort, wo Menschen, Körper, Gedanken und Beziehungen miteinander in Verbindung stehen.
Andrea Kujawa
rĂŒckenstark â Gesundheitsförderung, PrĂ€vention und Physiotherapie
Ich schaffe Strukturen, in denen Gesundheit, Wohlbefinden und wirtschaftlicher Erfolg gemeinsam wachsen können.

