Ein persönlicher Perspektivwechsel auf kommunale Gesundheitsförderung, Lebenswelten und Health in All Policies
Kommunalpolitik einmal aus nächster Nähe.
In den vergangenen Wochen lerne ich eine Welt kennen, die mir bisher vor allem aus der Perspektive einer interessierten Bürgerin vertraut war: kommunalen Wahlkampf.
Ein guter Freund von mir kandidiert für das Bürgermeisteramt in Burgwedel. Dadurch durfte ich inzwischen bei Sitzungen seines Wahlkampfteams dabei sein und zuletzt auch ein politisches Duell im Rahmen der Bürgermeisterwahl erleben.
Natürlich bin ich persönlich nicht neutral. Ich kenne und schätze einen der Kandidaten.
Meine berufliche Arbeit mit rückenstark ist davon unabhängig und parteipolitisch neutral.
Was mich an diesen Einblicken besonders interessiert, sind ohnehin weniger einzelne politische Positionen als die Prozesse dahinter:
Wie entstehen Entscheidungen?
Welche Themen bewegen Menschen vor Ort?
Wie werden unterschiedliche Interessen sichtbar?
Wie funktioniert Kommunikation?
Und was braucht es, damit Menschen bereit sind, Verantwortung für ihre Stadt zu übernehmen?
Vielleicht beobachte ich all das auch deshalb so aufmerksam, weil ich als Unternehmerin, Gesundheitsförderin und Projektmanagerin automatisch auf Strukturen, Verantwortlichkeiten, Netzwerke und Entscheidungswege schaue.
Gesundheit entsteht nicht nur im Gesundheitswesen
Je länger ich mich beruflich mit Gesundheitsförderung und Prävention beschäftige, desto stärker interessiert mich die Ebene hinter der einzelnen Gesundheitsmaßnahme:
Unter welchen Bedingungen leben, lernen und arbeiten Menschen eigentlich?
Bildung und Kinderbetreuung gehören dazu. Sport und Bewegung. Vereine und Ehrenamt. Stadtentwicklung und Mobilität. Wirtschaft, soziale Teilhabe, Sicherheit und Orte, an denen Menschen einander begegnen können.
Vieles davon hat auf den ersten Blick vielleicht wenig mit Gesundheit zu tun.
Aus einer bio-psycho-sozialen Perspektive sieht das anders aus.
Politische und kommunale Entscheidungen gestalten Lebenswelten. Und Lebenswelten beeinflussen wiederum unsere Möglichkeiten, gesund zu leben, Ressourcen zu entwickeln, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und soziale Beziehungen zu gestalten.
Für diese Perspektive gibt es in der Gesundheitswissenschaft einen passenden Ansatz: Health in All Policies.
Vereinfacht gesagt bedeutet er, die möglichen Auswirkungen auf Gesundheit und gesundheitliche Chancengerechtigkeit auch bei politischen Entscheidungen außerhalb des klassischen Gesundheitsbereichs mitzudenken.
Kommunale Gesundheitsförderung braucht Zusammenarbeit
Für mich bedeutet kommunale Gesundheitsförderung deshalb nicht, möglichst viele einzelne Gesundheitsangebote zu organisieren.
Mich interessiert vielmehr, wie gesundheitsförderliche Lebenswelten entstehen können.
Dafür braucht es Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, funktionierende Netzwerke, Beteiligung und Strukturen, die Zusammenarbeit ermöglichen.
Das passt sehr zu meiner eigenen Arbeitsweise.
Ich verbinde Gesundheitsförderung, Prävention und Betriebliches Gesundheitsmanagement mit Projektmanagement und Netzwerkarbeit. Gesundheit denke ich bio-psycho-sozial und salutogenetisch – und zunehmend auch im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kommunalen Bedingungen, unter denen Menschen leben.
Mein Einblick in den kommunalen Wahlkampf ist deshalb für mich vor allem eines:
eine Gelegenheit zu lernen.
Ich bekomme einen neuen Blick darauf, wie kommunale Verantwortung funktioniert – mit unterschiedlichen Interessen, Positionen, Möglichkeiten und Grenzen.
Und ich merke, wie spannend ich diese Ebene von Gesundheitsförderung finde.
Denn Gesundheit beginnt lange bevor Krankheit entsteht.
Auch dort, wo wir gemeinsam entscheiden, wie wir leben wollen.
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Wer kommunale Politik selbst einmal aus nächster Nähe erleben möchte:
Hier finden Sie die kommenden öffentlichen Foren und Veranstaltungen.
https://aktion.haz.de/haznp/umfrage/kommuwahltalkshaznp?ma=QR&uid=dn9PcQJ&cck&ref=

